Vergrößerungsglas mit Deka Deutschland Branding, symbolisiert die Untersuchung wirtschaftlicher Entwicklungen.

Noch vor einem Monat waren wir davon ausgegangen, dass die nächste Leitzinsänderung der US-Notenbank Fed eine Zinssenkung in den ersten Monaten des kommenden Jahres sein würde. Doch inzwischen zeichnet sich immer deutli-cher ab, dass es schon im September 2026 zu einer Erhöhung des US-Leitzinses kommen dürfte. Der neue Fed-Chef Kevin Warsh hat beim geldpolitischen Symposium in Jackson Hole Ende August in überraschender Klarheit die Bereit-schaft der US-Notenbank signalisiert, die Leitzinsen anzuheben, da die Inflation hartnäckig über dem Notenbankziel verharre. Die Kommunikation von Warsh ist allerdings grundsätzlich weniger eindeutig als die seiner Vorgänger. Daher herrscht recht große Unsicherheit bezüglich der weiteren geldpolitischen Perspektiven. Ob es bei einer Leitzinserhöhung bleiben wird, oder ob es im Prognosezeitraum zwei oder drei werden, darüber wird jetzt fleißig spekuliert. Seit der Amtsübernahme Warshs im Mai sind die Renditen an den Anleihemärkten weiter gestiegen, wenngleich er die Zweifel an der Unabhängigkeit der Fed wie auch an seiner Haltung zur Geldwertstabilität erfolgreich zerstreut hat. Die Europäi-sche Zentralbank hat im Gegensatz zur Fed schon im Juni auf die erhöhten Inflationsrisiken reagiert und eine erste Zinserhöhung vorgenommen. Im September wird sie wohl einen zweiten Schritt nach oben folgen lassen.

An den Aktienmärkten scheint man mit höheren Zinsen noch ganz gut umgehen zu können. Problematisch würde dort der Zinsanstieg erst bei einer spürbaren Eintrübung des konjunkturellen Ausblicks. Doch bislang ändern die erratische Zollpolitik von US-Präsident Trump und die nach wie vor nur höchst eingeschränkt befahrbare Straße von Hormus nichts daran, dass die Weltwirtschaftsleistung in diesem und im kommenden Jahr laut unserer Prognose um stabile 3 % zule-gen wird. Die Anpassungsfähigkeit der Wirtschaft ist bemerkenswert, und die starken Umsatz- und Gewinnentwicklun-gen der US- und auch der europäischen Unternehmen bestätigen diese Einschätzung. Daher dürften die Unternehmen die wenigen von uns erwarteten Leitzinserhöhungen ganz gut verkraften, sodass wir bis Jahresende in der Tendenz höhere Aktienindizes und auskömmliche Anleihekupons erwarten.