Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank

Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank

Der Stillstand bei den Friedensgesprächen zum Persischen Golf lastet auf den Finanzmärkten. In Europa war der Aktienhandel in der abgelaufenen Handelswoche zusätzlich von schwachen Konjunkturdaten beeinflusst. Dass das Bundeswirtschaftsministerium seine Konjunkturprognose für Deutschland auf nur noch 0,5 Prozent Wachstum für dieses Jahr halbiert hat, war zwar schon vorab bekannt gewesen. Zusätzlich wurden aber über die Woche verteilt eine Reihe von Stimmungsindikatoren veröffentlicht, die einen kompletten Abriss des Wirtschaftsvertrauens im Unternehmenssektor signalisierten: Nachdem bereits die monatliche Umfrage unter den Einkaufsmanagern der großen Unternehmen einen Einbruch der Zuversicht anzeigte, erbrachte zum Ende der Woche das ifo-Geschäftsklima für Deutschland das gleiche Ergebnis. In solchen Krisenzeiten ist das zwar nicht unüblich und kann sich auch schnell wieder umkehren, aber dass die Konfliktlage so lange andauert, macht die Wirtschaft immer nervöser. Die Frage lautet nur, wie lange es dauert, bis auch die Finanzmärkte, die den Konflikt nach dem Waffenstillstand eigentlich schon abgehakt hatten, von dieser Nervosität wieder angesteckt werden.

Die US-Märkte erwiesen sich einmal mehr als stabil. Das liegt daran, dass die US-Volkswirtschaft aufgrund ihrer Größe und ihrer eigenen Energieproduktion unabhängiger von den Lieferketten-Disruptionen im Persischen Golf ist. Zudem überraschten die börsennotierten US-Unternehmen auch mit ihren Berichten zu Umsätzen und Gewinnen des ersten Quartals positiv. Mit Aufmerksamkeit wurde an den Finanzmärkten auch die Anhörung des designierten Notenbankchefs Kevin Warsh verfolgt. Warsh gilt als erfahrener Notenbanker, der zwar von Präsident Trump mit dem Wunsch nach niedrigeren Leitzinsen eingesetzt wurde, aber sehr konservative Vorstellungen von Geldpolitik mitbringt, die eigentlich eher zinssteigernd wirken. Es bleibt abzuwarten, wie viel von seinen Plänen Warsh tatsächlich umsetzen kann, wenn er auf der Brücke der größten Notenbank der Welt den Stürmen der internationalen Kapitalmärkte ausgesetzt sein wird.

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