Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank

Ein Seufzer der Erleichterung ging durch die Finanzmärkte, als die neuesten Inflationsdaten für die USA gemeldet wurden. Nachdem fast alle Inflationszahlen, die bislang in diesem Jahr gemeldet wurden, negativ überrascht hatten, war der jetzt veröffentliche Mai-Wert endlich einmal deutlich besser als die Befürchtungen. Für die Finanzmärkte ein sehr wichtiges Signal, denn bei abermals zu hohen Inflationsraten wäre die US-Notenbank zu einer Reaktion gezwungen gewesen. Sie hätte die eigentlich geplanten Zinssenkungen zumindest für dieses Jahr vollständig absagen müssen. So können die US-Geldpolitiker jedoch ihre Erwartungen auf eine letztendliche weitere Beruhigung der Inflationszahlen in den USA aufrechterhalten. Zwar ist die Teuerung in der US-Wirtschaft von hohen einstelligen Raten bereits wieder deutlich zurückgekommen. Aber für die Geldpolitik ist mittelfristig die Einhaltung des 2-Prozent-Ziels von hoher Bedeutung. Dementsprechend äußerte sich US-Notenbank-Chef Powell bei der turnusmäßigen Sitzung trotz der vorteilhaften Inflationszahlen vorsichtig im Hinblick auf mögliche Leitzinssenkungen. Viel spricht dafür, dass die US-Notenbank im Herbst mit einer ersten Zinssenkung beginnt, alle weiteren Schritte aber eng an die künftigen Wirtschaftsdaten bindet.

Die Aktienmärkte nahmen diese Entwicklungen mit Erleichterung auf, ohne jedoch in Euphorie zu verfallen. Im Euroraum sind die Zölle gegenüber chinesischen Elektroautos das Topthema. Die Europäische Union spielt damit ihre Verhandlungsmacht als einer der größten Wirtschaftsräume gegenüber nicht-marktwirtschaftlichen Praktiken der chinesischen Wirtschaftspolitik aus. Zwar wurden aus China Gegenmaßnahmen angekündigt, ihr Umfang und ihre Wirksamkeit sind jedoch unsicher, insbesondere da die chinesische Wirtschaftsentwicklung gegenwärtig mehr denn je vom Außenhandel abhängig ist. An den Aktienmärkten in den USA führte das geldpolitische Aufatmen vorübergehend zu neuen Höchstständen. Der deutsche Aktienmarkt und insbesondere Autoaktien reagierten verschnupft auf das handelspolitische Streitthema.