Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank

Starke Wirtschaftszahlen boten den Aktienmärkten in der abgelaufenen Woche Unterstützung. In den USA wurde für das letzte Quartal des Vorjahres ein Wirtschaftswachstum von fast 3 Prozent gemeldet. In Deutschland zeigte der Anstieg des ifo-Geschäftsklimaindex, dass die Unternehmen wieder optimistischer in die Zukunft schauen. Trotz wieder kühlerer Temperaturen in Mitteleuropa sank der Preis für Erdgas weiter ab. Die befürchtete Winterkrise findet wohl nicht statt.

Stattdessen wird sich die Diskussion mehr und mehr auf die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland fokussieren. Bei den Rahmenbedingungen für die Unternehmen hat sich in Deutschland großer Reformbedarf aufgebaut. Für die Aktienkurse der meisten gehandelten Unternehmen in Deutschland ist dies jedoch nicht entscheidend. Sie sind in hohem Maße internationale Unternehmen geworden. Egal ob man Umsätze, Gewinne oder die Herkunft der Anteilseigner betrachtet: Die Einflüsse der Weltwirtschaft sind bei weitem wichtiger für die Börsenkurse als die Entwicklungen am Standort Deutschland.

Die Aussichten für eine zügige Beruhigung bei der Inflation in den kommenden Monaten sowie ein höheres Wirtschaftswachstum haben die Aktienmärkte in den ersten Wochen des Jahres beflügelt. In den kommenden Monaten werden zwar auch mal wieder enttäuschende Zahlen gemeldet werden. So sollte die Inflation in Deutschland im Januar erst noch einmal ansteigen, bevor sie den Rückwärtsgang einlegt. Und wie kräftig die Wirtschaft in diesem Jahr wirklich ist, wird sich erst zeigen, wenn der Winter mit seinen Belastungen vorbei ist. Es bleibt aber dabei: Die Aktienmärkte haben nach dem enttäuschenden Jahr 2022 wieder Tritt gefasst.