Freude über den Deutschen Gründerpreis 2026: Matthias Dießl, Präsident des Sparkassenverbands Bayern (links), Andrea Felsner-Peifer, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg, und Petra Schöpf, Leiterin Beratung Existenzgründung, mit den Gründern von DeepDrive: Dr.-Ing. Alexander Rosen, Stefan Ender, Felix Pörnbacher, Dean Petrovski, Christopher Römmelmayer, Maximilian Habersbrunner und Markus Domme
Berlin, Abend der Preisverleihung des Deutschen Gründerpreises 2026: In der Kategorie „Aufsteiger“ stehen drei Unternehmen im Finale. Dann fällt der Name des Unternehmens aus Garching.
„Wir haben schon einige Awards gewonnen, aber der Deutsche Gründerpreis hat am meisten Wellen geschlagen“, sagt Carola Mauck, Leiterin Marketing und PR bei DeepDrive.
Wie alles begann
Die Geschichte beginnt rund ein Jahrzehnt vor der Gründung. Sechs der sieben Gründer lernen sich im studentischen Motorsportteam der Technischen Universität München kennen. Dort bauen sie elektrische Rennwagen für internationale Wettbewerbe. Nach dem Studium wechseln sie zu Automobilherstellern und Zulieferern.
In den Konzernen lernen sie die automobile Großserie kennen – und damit auch ihre Grenzen. „Uns war klar geworden, dass im Bereich elektrischer Antriebe noch enormes technologisches Potenzial steckt“, sagt Co-CEO Felix Pörnbacher. „Wenn wir diese Ideen verwirklichen wollen, müssen wir es selbst tun. Wir müssen unser eigenes Schnellboot bauen.“
2021 gründen Felix Pörnbacher, Maximilian Habersbrunner, Dr.-Ing. Alexander Rosen, Markus Domme, Stefan Ender, Dean Petrovski und Christopher Römmelmayer gemeinsam DeepDrive. Ihr Ansatzpunkt ist der Elektromotor, denn hier sehen sie noch viel Luft nach oben.
Zwei Motoren in einem

© Franzika Krug für Deutscher Gründerpreis
Ein herkömmlicher Elektromotor besitzt einen Rotor, der sich um einen feststehenden Kern dreht, den Stator. DeepDrive hat eine Doppelrotor-Technologie entwickelt und patentiert: Um einen Stator drehen sich zwei Rotoren. „Vereinfacht gesagt bauen wir zwei Motoren in einen“, erklärt Pörnbacher. So erzeugt der Motor mehr Drehmoment und braucht weniger Magnetmaterial, Eisen und Kupfer. Nach Angaben des Unternehmens steigt die Effizienz gegenüber herkömmlichen Motoren um bis zu 20 Prozent, die Kosten sinken um rund 30 Prozent.
Jede Designentscheidung wurde von Beginn an mit Blick auf die Großserie getroffen, denn gerade an der Industrialisierung scheitern viele gute Ideen. Deshalb ist jeder Fertigungsschritt so einfach wie möglich gehalten. Inzwischen hat DeepDrive Kapital in beträchtlicher Höhe eingeworben, unter anderem von BMW i Ventures, UVC Partners, Bayern Kapital und Leitmotif, mit der Volkswagen AG als Ankerinvestor.
Den Charakter eines Start-ups will DeepDrive dabei nicht verlieren. Pörnbacher spricht gern von zwei Gehirnhälften: dem Motorsport-Geist der Anfangszeit und der Professionalität aus vielen Jahren in der Automobilindustrie.
Der Weg zum Gründerpreis
Dass DeepDrive überhaupt ins Rennen ging, geht auf Petra Schöpf zurück. Die Leiterin Beratung Existenzgründung der Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg begleitet das Unternehmen als Kundenberaterin und schlug es im November 2025 für den Deutschen Gründerpreis vor. „Das Unternehmen verkörpert für mich, was Innovation ausmacht: das komplette Neudenken einer Antriebstechnologie“, sagt Schöpf. „Dazu kommt ein starkes Gründerteam.“
Über mehrere Auswahlrunden schaffte DeepDrive es bis März 2026 unter die besten zehn und schließlich in die Endrunde der Kategorie „Aufsteiger“ mit drei Finalisten. „Der Einzug ins Finale hat mich sehr gefreut – ein deutliches Zeichen für das herausragende Engagement und die Innovationskraft dieses Teams“, sagt Schöpf.
Bei DeepDrive kam die Unterstützung an. „Die Nominierung durch die Kreissparkasse hat uns wundervoll überrascht“, sagt Carola Mauck. „In der Vorbereitung war Frau Schöpf immer an unserer Seite und offen für alle Fragen.“ Bei der Verleihung in Berlin war Schöpf gemeinsam mit Andrea Felsner-Peifer, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse, vor Ort. In Erinnerung geblieben sind ihr vor allem die Worte der Gewinner auf der Bühne. „Offenheit, Menschlichkeit und ehrliche Worte untereinander – das sind auch die Werte, die die Kreissparkasse jeden Tag lebt“, sagt Schöpf.
Begleitung, die mitwächst
Für die Kreissparkasse endet die Partnerschaft nicht bei Konto und Kredit. Ganzheitliche Begleitung heißt für Schöpf, ein Unternehmen in jeder Phase zu unterstützen: von der Gründung über Wachstum und Internationalisierung bis zur Nachfolge. „Wir bieten das Rundum-Paket und sehen nicht nur das Unternehmen, sondern auch die Menschen, die es tragen – die Gründerinnen und Gründer sowie die Mitarbeitenden“, so Schöpf.
Junge Technologieunternehmen finanzieren sich anders als der klassische Mittelstand. Bei ihnen stehen oft Forschungs- und Entwicklungsgelder und das Kapital von Investoren im Vordergrund. Die Kreissparkasse unterstützt hier etwa bei der Anlage von Investorengeldern. Ebenso wichtig ist es gemeinsam den richtigen Zeitpunkt für den Schritt zur Bankfinanzierung zu finden, etwa mit Innovationskrediten der Förderbanken KfW und LfA oder Leasing. Hinzu kommen neben flexiblen Payment-Lösungen von Beginn an auch Themen wie Absicherung und die Einbindung von Spezialistinnen und Spezialisten für das internationale Geschäft.
„Nur wenn wir die Mission und die Ziele eines Unternehmens kennen, können wir passgenaue Lösungen anbieten“, sagt Schöpf. „Wir verstehen uns nicht nur als Dienstleister, sondern als Partner.“ Oft entscheidend sei dabei das Netzwerk der Kreissparkasse: regional verankert und international vernetzt.
Der nächste Schritt

© Franzika Krug für Deutscher Gründerpreis
Für DeepDrive beginnt nun die entscheidende Phase. Ein globaler Fahrzeughersteller hat das Unternehmen erstmals als Lieferanten für eine Großserie ausgewählt. Damit rückt nach Jahren der Technologieentwicklung nun die Umsetzung in den Mittelpunkt. Welche Dimension das hat, beschreibt Pörnbacher so: „Wenn sich ein großer Hersteller entschließt, unsere Technologie in einem neuen Fahrzeugmodell einzusetzen, dann sprechen wir von Hunderttausenden oder sogar Millionen Einheiten.“ In fünf Jahren sollen mehrere Serienfahrzeuge mit Motoren aus Garching auf der Straße sein, dazu erste Anwendungen außerhalb der Automobilindustrie.
Wer ein Unternehmen gründet, sollte nach Ansicht von Schöpf frühzeitig das Gespräch mit der Bank suchen. „Dann kann man gemeinsam die passenden Bausteine für den Erfolg legen.“ Auf dem Weg vom Prüfstand auf die Straße bleibt die Kreissparkasse an der Seite des Unternehmens.

