Joe Kaeser, Vorsitzender des Aufsichtsrats von Siemens Energy und Daimler Truck, Andrea Felsner-Peifer, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg, Dr. Robert R. Richter, CEO des Münchner Start-up Hubs WERK1 und Moderator Dr. Christoph Hein, Redaktionsleiter von F.A.Z. PRO Weltwirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Die Welt ist in Bewegung: Durch geopolitische Unsicherheiten und technologische Umbrüche bröckelt die einst so stabil geglaubte internationale Ordnung der letzten Jahrzehnte. Wie können sich Unternehmen in diesem dynamischen Umfeld behaupten? Genau darum ging es bei der Unternehmerkonferenz zu der die Kreissparkasse in Kooperation mit der FAZ in ihre Hauptstelle nach München geladen hatte.

„Der Wind wird stärker und weht auch von unterschiedlichen Richtungen. Es ist unsere Aufgabe, dass wir gemeinsam die Segel richtig setzen.“ Es waren deutliche Worte, die Andrea Felsner-Peifer, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg, als Gastgeberin an die Besucher der Konferenz richtete. Gerade in Zeiten intensiven globalen Handelns mit teilweise wöchentlich wechselnden Rahmenbedingungen müssten Unternehmen agil sein, um widerstandsfähig zu bleiben. Ähnlich äußerte sich auch Dr. Christoph Hein, Redaktionsleiter von F.A.Z. PRO Weltwirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der als Moderator durch den Abend in der Kundenhalle der Kreissparkasse am Sendlinger Tor führte: „Unternehmen dürfen und können in diesen Zeiten nicht stillstehen. Sie können nicht abwarten, sie können nichts aussitzen. Sie müssen sich auch in einem fordernden Umfeld bewegen.“

Doch welche Strategien sind es, mit denen Unternehmen schnell auf Marktveränderungen reagieren und ihre globale Wettbewerbsfähigkeit sichern können? Und wie wirtschaften sie dabei erfolgreich und verantwortungsvoll? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Events, für das die Veranstalter – die Kreissparkasse und Frankfurter Allgemeine Konferenzen – zwei hochkarätige Referenten gewinnen konnten: Dr. Robert R. Richter, CEO des Münchner Start-up Hubs WERK1, und Joe Kaeser, Vorsitzender des Aufsichtsrats von Siemens Energy und Daimler Truck.

Innovationen als Treiber des Wandels

In seinem Vortrag unter dem Motto „Aus Bayern in die Welt: Zukunftstrends, Innovationen und Start-ups als Treiber des Wandels“ gab Robert Richter Einblicke in die aktuelle digitale Gründungsszene Münchens. Bessere Finanzierungsbedingungen und vor allem auch weniger regulatorische Vorgaben als in der EU ließen immer wieder erfolgreiche deutsche Start-ups in die USA ziehen – auch aus dem WERK1, wie Richter erläuterte: „Es sind deutsche Technologie-Start-ups, die hier gegründet wurden, die mit Steuergeldern finanziert wurden, die aber ihre Produkte aufgrund von Regulatorik hier nicht auf den Markt bringen können.“

So verwundere es auch nicht, dass die USA inzwischen „meilenweit entronnen“ sei, was Investitionen in künstliche Intelligenz angeht. „Es sind weit über 300 Milliarden Euro, die in den letzten Jahren in den USA in KI investiert wurden. Deutschland hinkt leider mit knapp acht Milliarden um einiges hinterher. Und das spiegelt sich natürlich auch in der Gründungsaktivität für Start-ups im Deeptech-Bereich wider“, so Richter.

Nichtsdestotrotz ist laut dem Start-up-Kenner Europa nach wie vor ein starker Standort für Innovationen. Optimistisch stimme ihn, dass Deutschland als Gründungsstandort international immer attraktiver wahrgenommen werden würde. „Denn in den letzten zehn Jahren sind in Deutschland die Entrepreneurship-Ausbildung, die Ankerzentren, die Supportsysteme – staatlich und halbstaatlich – massiv ausgebaut worden.“

Seinen Ausführungen ließ Richter eine Einladung an alle Unternehmerinnen und Unternehmer im Publikum folgen, im Gründungszentrum WERK1 vorbeizuschauen und sich mit den Teams vor Ort auszutauschen: „Nutzen Sie den unglaublichen Talentpool.“ Er ermunterte dazu, die Kultur der Start-ups, dieses „Hungrig-sein“, aufzunehmen, die Kreativität der Gründenden als Partner zu nutzen und von einem Innovationsbonus und nicht zuletzt auch von einem Reputationsgewinn zu profitieren. Sein Appell: „Zusammen haben wir schon viele Krisen in Deutschland und Europa gemeistert. Und auch die aktuelle, glaube ich, ist definitiv zu meistern. Wir müssen uns aber mehr zutrauen.“

Unternehmen müssen heute geopolitisch denken

Auch Joe Kaeser ging in seiner Keynote auf die Wichtigkeit von Innovationen ein, um sich in einer Welt behaupten zu können, in der sich globale Allianzen in einer vorher noch nie dagewesenen Geschwindigkeit verschieben und damit Märkte, Lieferketten sowie Investitionsentscheidungen beeinflussen: „Das war und ist und wird das Lebensblut der deutschen Wirtschaft sein.“ Laut Kaeser geht es unter anderem darum, „die Schaufeln für den Goldrausch der künstlichen Intelligenz“ zu finden – analog zum kalifornischen Goldrausch Mitte des 19. Jahrhunderts. Denn Gewinner waren damals nicht die Goldgräber, sondern die Händler von Schaufeln oder robusten Jeans-Hosen wie Levi Strauss. „Wir sind gut beraten, nicht nur zu überlegen, wo die Schaufeln sind für die Innovationen, die woanders stattfinden, sondern auch, wo es sich lohnt, zu investieren“, so Kaeser.

Dabei sei klar: „Wir werden nie alle unsere Branchen, die wir heute in Deutschland haben, die vielleicht auch unser Land groß gemacht haben, halten können.“ Zudem brauche es auch im Bereich des Sozialen strukturelle Veränderungen. Kaeser plädierte dafür, den Mut für diesen notwendigen Wandel aufzubringen und Verantwortung zu übernehmen.

Darüber hinaus müssten Unternehmen heute mehr denn je geopolitisch denken. Dabei gelte: „Eine globale Strategie braucht regionale Stärke“, insbesondere für die Rekrutierung von Talenten. „Wir haben im Augenblick eine riesige Chance, die besten Talente dieser Welt zu bekommen, weil sie in Amerika nicht mehr gefragt sind, weil in den amerikanischen Universitäten mittlerweile das Wort Diversity verboten ist“, sagte Kaeser.

Dennoch blieben die USA der wichtigste Partner, den Europa auf absehbare Zeit habe. Außerdem sei Deutschland als Exportnation abhängig von China. „Wir können es uns nicht leisten, eine der beiden Supermächte auf Wirtschaftsebene zu verlieren“, so Kaeser. „Und das ist eine große Aufgabe, die wir als Unternehmen haben.“

Fundamentale Themen, die das anschließende Networking zusätzlich befeuerten

Die vielen klaren Worte und deutlichen Gedankenansätze sorgten auf der Veranstaltung keineswegs für getrübte Stimmung. Ganz im Gegenteil boten sie die ideale Ausgangsposition für den anschließenden sehr lebhaften Austausch unter den anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmern und ihren Beraterinnen und Beratern von der Kreissparkasse. Ein Abend mit viel Nachhall für alle Beteiligten.