2026 wird für viele Unternehmen zu einem Jahr entscheidender Weichenstellungen. Wichtige europäische und nationale Regelwerke treten in Kraft oder entfalten erstmals ihre volle Wirkung. Betroffen sind nicht nur Großkonzerne, sondern auch kleine und mittlere Unternehmen – direkt oder indirekt über Lieferketten, Finanzierungsanforderungen oder Kundenerwartungen. Im Fokus stehen vor allem fünf Themenfelder: Künstliche Intelligenz, IT-Sicherheit, Nachhaltigkeit, CO₂-Importe sowie Energie- und Gebäudestandards. In vielen Bereichen werden Vorgaben verbindlich, die bislang freiwillig waren oder nur für große Unternehmen galten. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Datenqualität, Governance und Transparenz. Ein Überblick über die wichtigsten Entwicklungen – und wo Unternehmen jetzt handeln sollten:
Künstliche Intelligenz: Vom Experiment zur Regulierung
Künstliche Intelligenz ist längst im Unternehmensalltag angekommen – etwa in der Kundenkommunikation, im Marketing, in der Produktionsplanung oder im Personalbereich. Auch Unternehmen, die keine eigenen KI-Systeme entwickeln, nutzen entsprechende Anwendungen. Damit rücken Fragen der Verantwortung, Transparenz und Kontrolle stärker in den Fokus.
Mit dem AI Act schafft die Europäische Union erstmals einen einheitlichen Rechtsrahmen für KI-Systeme. Die Verordnung ist seit 1. August 2024 in Kraft und wird schrittweise wirksam. Ab 2. August 2026 werden die meisten für Unternehmen relevanten Vorschriften anwendbar. Der AI Act unterscheidet zwischen verschiedenen Risikoklassen von KI-Anwendungen und stellt insbesondere an sogenannte Hochrisiko-Systeme umfangreiche Anforderungen, etwa an Dokumentation, Risikobewertung und Transparenz. Für einzelne Anwendungen gelten Übergangsfristen bis voraussichtlich 2027.
Für Unternehmen bedeutet das: KI-Risiken müssen bewertet, Datenquellen offengelegt und Prozesse nachvollziehbar dokumentiert werden. Wer frühzeitig klare Strukturen schafft, reduziert regulatorische Risiken und stärkt zugleich seine Position gegenüber Kunden und Finanzierungspartnern.
IT-Sicherheit: Höhere Standards durch NIS2
Cyberangriffe nehmen seit Jahren zu – entsprechend verschärft der Gesetzgeber die Anforderungen an IT-Sicherheit. Mit der europäischen NIS2-Richtlinie gelten künftig strengere Mindeststandards für Unternehmen in besonders kritischen und wichtigen Wirtschaftssektoren, etwa Energie, Gesundheit, Finanzwesen oder digitale Infrastruktur. Die NIS2-Richtlinie wurde Ende 2025 in deutsches Recht umgesetzt. Seit 2026 gelten verbindliche Anforderungen an IT-Sicherheit und Risikomanagement inklusive Notfallkonzepten sowie Meldepflichten bei Sicherheitsvorfällen.
Auch mittelständische Unternehmen geraten zunehmend unter Druck, da Geschäftspartner höhere Sicherheitsstandards entlang der Lieferkette verlangen. Investitionen in IT-Sicherheit, Netzsegmentierung, Notfallmanagement und Monitoring werden damit zur strategischen Aufgabe. Wer Netzwerke absichert, Mitarbeitende sensibilisiert und digitale Prozesse schützt, stärkt langfristig seine Wettbewerbsfähigkeit.
Nachhaltigkeit: Berichtspflichten wirken zunehmend in die Lieferkette
Auch im Bereich Nachhaltigkeit steigen die Anforderungen deutlich. Zentrale Grundlage ist die europäische Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), welche große Unternehmen künftig zu umfassenden Berichten über Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen verpflichtet. Die Umsetzung der Richtlinie in deutsches Recht steht derzeit noch aus, wird jedoch erwartet. Viele Unternehmen bereiten sich bereits vor oder berichten freiwillig. Die Auswirkungen reichen jedoch weit über berichtspflichtige Unternehmen hinaus. Geschäftspartner, Kunden und Finanzierungspartner fordern zunehmend belastbare Nachhaltigkeitsdaten entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Mittelständische Unternehmen sehen sich daher häufiger mit Fragen zu CO₂-Emissionen, Energieverbräuchen oder Governance-Strukturen konfrontiert. Für diese Unternehmen bietet der neue VSME-Standard (Voluntary Standard for SMEs) eine freiwillige und pragmatische Orientierung zur strukturierten ESG-Berichterstattung. Wer frühzeitig Transparenz schafft, verbessert seine Marktposition und stärkt die eigene Finanzierungsfähigkeit.
CO₂-Importe: Neue Kosten durch den EU-Grenzausgleich (CBAM)
Seit 2026 gewinnt der europäische Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) deutlich an Bedeutung. Für bestimmte emissionsintensive Importgüter wie Stahl, Aluminium, Zement, Düngemittel oder Wasserstoff gilt seit dem 1. Januar nun nicht mehr nur eine Berichtspflicht – Unternehmen müssen zusätzlich CO₂-Zertifikate erwerben. Damit wird aus der bisherigen Meldepflicht eine finanzielle Verpflichtung.
Für Unternehmen entstehen dadurch neue Anforderungen an Beschaffung, Datenmanagement und Kostenplanung. Was bisher gemeldet wurde, wird damit kostenrelevant – und zunehmend zum Wettbewerbsfaktor. Verlässliche Emissionsdaten von Lieferanten sowie die frühzeitige Berücksichtigung möglicher Zertifikatskosten werden entscheidend. Gleichzeitig kann eine CO₂-arme Beschaffung wirtschaftliche Vorteile bringen, etwa durch bessere Planbarkeit und geringere Risiken.
Solardachpflicht und Energieeffizienz: steigende Anforderungen für Unternehmen
Auch im Bereich Energieversorgung steigen die regulatorischen Anforderungen. In vielen Bundesländern gelten bereits Solarpflichten für Neubauten oder größere Sanierungen. In Bayern bestehen bereits konkrete Vorgaben für neue Gewerbegebäude, größere Dachsanierungen sowie große Parkplätze, bei denen Photovoltaikanlagen in der Regel eingeplant werden müssen. Unternehmen sollten frühzeitig prüfen, welche Standorte betroffen sind und wie sich Photovoltaik wirtschaftlich in Bau- und Modernisierungsprojekte integrieren lässt.
Gleichzeitig verschärfen bundesweite Vorgaben zur Energieeffizienz von Gebäuden und Heizsystemen die Anforderungen an Bau- und Modernisierungsentscheidungen zusätzlich. Energieversorgung und Gebäudetechnik werden somit für Unternehmen strategisch immer wichtiger. In diesem Zusammenhang gewinnen auch Förderprogramme in Verbindung mit entsprechenden Finanzierungsmodellen an Bedeutung. Wer früh investiert, senkt langfristig Energiekosten, stärkt seine Versorgungssicherheit und setzt ein sichtbares Nachhaltigkeitssignal.
Fazit: 2026 markiert den Übergang in eine neue Normalität
Die regulatorischen Entwicklungen rund um KI, IT-Sicherheit, Nachhaltigkeit, Lieferketten und Energie markieren keinen kurzfristigen Trend, sondern einen langfristigen, strukturellen Wandel. Gerade für den Mittelstand gilt: Wer frühzeitig Strukturen aufbaut, kann regulatorische Anforderungen nicht nur erfüllen, sondern strategisch nutzen – etwa zur Stärkung von Kundenbeziehungen, zur Sicherung von Finanzierungen und zur Positionierung als verlässlicher Geschäftspartner.

