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Tradition trifft Moderne – Bootsbauer am Starnberger See

Rubrik: Region
10.08.2017
Rubrik: Region
10.08.2017
…und eine Ausstellung, die besondere Eindrücke bietet

Der Beruf des Bootsbauers wirkt, von außen betrachtet, fast wie aus einer anderen Zeit – bei all der Konkurrenz durch industriell gefertigte Kunststoffboote. Eine Sonderausstellung im Museum Starnberger See widmet sich dem Handwerk, dem immerhin noch 30 mittelständische Bootsbau-Betriebe in Bayern nachgehen. Den ältesten, die Firma Rambeck am Starnberger See, haben wir besucht.

Schiffbauerweg 4, Starnberg: Eine passendere Adresse für einen Bootsbau-Betrieb gibt es wohl kaum! Seit mehr als 130 Jahren findet man im Starnberger Stadtteil Percha den Bootsbau-Betrieb Rambeck. 1963 übernahm Anton Dreher die Geschicke der Werft mit über 20 Mitarbeitern, die auch in wechselvollen Zeiten immer unter Leitung der Familien Rambeck und Dreher stand.

Und immer noch arbeiten mehrere Auszubildende in der Rambeck-Werft und erlernen das traditionelle Handwerk des Bootsbauers oder Bootstechnikers. Neben dem sensiblen Umgang mit Holz und Metall erfahren die Nachwuchs-Bootsbauer heutzutage auch einiges über die Verarbeitung von Kunststoff und anderen modernen Materialien. Saubere Arbeit und handwerkliches Fingerspitzengefühl sind dabei unabdingbar. „Allzu romantische Vorstellungen sind hier nicht von Vorteil. Man muss schon wissen, dass das Handwerk körperlich anspruchsvoll ist und präzises Arbeiten verlangt.“, so Dreher.
 
Holzboote werden seltener
Für den Betrieb ist der Bau neuer Holzboote schon lange kein Schwerpunkt mehr. Zu teuer wäre die individuelle Fertigung eines Bootes, zu groß die Konkurrenz durch die beliebten Motor- und Elektroboote aus Kunststoff. Dabei hatte man in der Vergangenheit unzählige namhafte Aufträge: So ließ sich beispielsweise Prinzregent Luitpold 1910 ein Jagdschiff fertigen und auch die Fahrgastschiffe am Königsee hat der Bootsbaubetrieb Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut. 16 Stück von Ihnen hat man 1911 der beliebten Sehenswürdigkeit geliefert, die meisten davon sind noch heute in Betrieb.

Sehr selten baut das Unternehmen heute ein Schiff auf Bestellung oder aber es entsteht in mehreren Tausend Stunden handwerklicher Meisterleistung ein Boot als Projekt für die Auszubildenden. 50.000 Euro müsste Anton Dreher für solch ein Holzboot ansetzen und zeigt auf das zuletzt fertiggestellte Werk. Und trotz der stolzen Summe gab es auch schon einen Interessenten für dieses Schiff. “Aber“, betont Anton Dreher, „verkaufen würde ich das Boot nur an jemanden, der damit wirklich umgehen kann und das Handwerk auch zu schätzen weiß“.
Neuer Schwerpunkt
Kerngeschäft der Werft ist heute neben der Instandhaltung, Reparatur und Restaurierung von Booten vor allem die Hafenanlage. Anton Dreher hat sie vor Jahrzehnten gegen einigen Widerstand bauen lassen. Eine kleine Insel musste dazu abgetragen und große Mengen Kies an anderer Stelle wieder aufgeschüttet werden – ein Mammutprojekt. Das sich allerdings schnell rechnete! Heute sind die Liegeplätze alle besetzt und die Anfragen, die man leider absagen muss, zahlreich. Vom Bierkutscher bis zum Millionär, vom Alteingesessenen bis zum zugezogenen Prominenten – DEN typischen Kunden kann man nicht ausmachen. „Und das ist auch das Spannende – mit den verschiedenen Menschen umzugehen!“, sagt Anton Dreher. Sie alle eint jedoch die Liebe zu Booten und zur Schifffahrt. „Wir haben hier Kunden, die schon als Baby in der Tragetasche von ihren Eltern aufs Schiff gebracht wurden und heute mit ihren eigenen Kindern und Enkelkindern Segeln gehen.“

Und bei all der Arbeit: Wann war die letzte Segeltour des Firmenchefs? „Das liegt schon lange zurück. Eine Stunde war ich im Oktober letzten Jahres auf dem See…“
Ein Tipp für die anstehende Ferienzeit:
Das Museum Starnberger See zeigt ab 28. Juli eine Sonderausstellung mit Original-Leihgaben verschiedener Bootsbauer des Fünfseenlandes sowie beeindruckenden Schwarz-Weiß-Fotografien. Das traditionelle Handwerk der Starnberger Seenregion am Ort des Geschehens zu betrachten: doppelt reizvoll und in jedem Fall einen Besuch wert – befand auch die Kreissparkasse, die die faszinierende Ausstellung unterstützt.

Museum Starnberger See, Possenhofener Str. 5, 82319 Starnberg -- geöffnet Dienstag - Sonntag, 10 - 17 Uhr
Nicole Weiß
Spenden-/Sponsoringmanagement

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