Können Banken Existenzgründern überhaupt fundiert unterstützen? Welche Rolle spielt der Businessplan? Und kann mir meine Hausbank erst bei einer Finanzierungsanfrage helfen oder bereits davor?

Stefanie Helas, Existenzgründerberaterin bei der Kreissparkasse im Interview mit dem Existenzgründungszentrum gate Garching:

Wann macht eine Kreditaufnahme für Startups Sinn im Gegensatz zu Eigenkapital über Business Angels oder VCs?
Diese beiden Finanzierungsformen stehen sich nicht gegenüber, sondern nebeneinander. Banken arbeiten anders als Business Angels oder VCs. Mit einer Geldleihe kauft man sich keine Anteile am Unternehmen, Mitspracherechte oder Erfolgsbeteiligung – folglich sind auch die Risiken anders zu bewerten.

Der erste Schritt einer Gründung erfordert oft eine echte Investition. Im zweiten Schritt geht es dann um Stabilisierung und den Ausbau des Geschäfts. Das ist meist der Punkt, an dem wir Kreditinstitute aktiv ins Spiel kommen.

Welche Voraussetzungen müssen grundsätzlich erfüllt sein, um einen Kredit zu erhalten?
Vor einer Kreditentscheidung werden bei jedem Antragsteller die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse analysiert.
Bei Startups geht es zunächst um das Gesamtkonzept. Ist die Unternehmensidee plausibel und am Markt umsetzbar? Auf Fragen nach Angebot und Nachfrage, der Qualität des Standorts, Produktionsfaktoren und dergleichen sollte der Businessplan nachvollziehbare Aussagen liefern.

Eine große Rolle spielt auch die Qualifikation der Gründer. Muss Knowhow eingekauft werden, bedeutet das zusätzliche Kosten. Wie abhängig ist das Startup davon? Besser ist es natürlich man bringt das Knowhow selbst mit.

Das Wichtigste aber ist die Kapitaldienstfähigkeit, also die Frage, ob der Unternehmer nach Abzug von Steuern und dem eigenen Lohn noch Zins und Tilgung für das aufgenommene Kapital leisten kann.

Scheinbar spielt das Unternehmens-Rating eine große Rolle. Worauf muss ich als Startup für ein positives Rating achten?
Ein Unternehmens-Rating basiert auf Zahlen vorliegender Jahresabschlüsse, ist also vergangenheitsbezogen. Bei Startups gibt es in der Regel noch keine Jahresabschlüsse und es wird auf die Planzahlen zurückgegriffen. Umso wichtiger ist ein fundierter und plausibler Businessplan – vor allem hinsichtlich der wirtschaftlichen Zahlen.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist, ob die Bank den Kunden durch eine Kontoverbindung mit dem Geschäftskonto bereits kennt. Die Kontoführung hat relativ hohen Einfluss auf die Ratingnote.

Es macht also Sinn, schon vorab eine gute Verbindung zur Bank aufzubauen und das Geschäftskonto von Beginn an stets im Blick zu haben, um den Zahlungsverkehr und Kontostand gut zu steuern.

Manchmal hört man von Startups, sie bekämen erst dann einen Kredit, wenn sie ihn nicht mehr brauchen. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Meine tägliche Praxis zeigt glücklicherweise ein anderes Bild. Spaß beiseite – ich kenne diese Meinung auch. Tatsache ist: ob ein klassischer Kredit möglich ist, hängt sehr stark vom Entwicklungsstand eines Startups ab. Das liegt daran, dass Kreditinstitute eben nicht als Business Angels oder Investoren auftreten. Gerade Investoren verlangen zurecht eine völlig andere Rendite für das Risiko, das sie eingehen. Das ist mit einem „herkömmlichen“ Kreditzins nicht vergleichbar.

Nach der Entwicklungsphase, wenn die Erfolgsaussichten kalkulierbarer werden, machen Bankfinanzierungen hingegen absolut Sinn. So kann ein Kontokorrentkredit beispielsweise die Liquidität und somit Flexibilität eines Unternehmens massiv verbessern. Und es gibt zinsgünstige Förderprogramme der KfW und LfA für Gründer, die nur über die Bank beantragt werden können.

Fazit:
Wenn auch Kreditinstitute Startups oft erst nach der ersten Finanzierungsrunde und Entwicklungsphase unterstützen können, macht es trotzdem Sinn, frühzeitig den Kontakt zur gewünschten Hausbank aufzubauen.

Neben „Hard Facts“, wie Unternehmens- und Planzahlen spielen auch „Soft Facts“ bei späteren Kreditentscheidungen eine wichtige Rolle. Dazu gehört sicher eine ordentliche Kontoführung, aber auch der persönliche Kontakt.

Gerade bei einer Existenzgründung gibt es viele weitere Finanz-Themen, von Rechtschutzversicherung über Online-Banking und Payment-Lösungen bis zur Altersvorsorge. Hier unterstützen Finanzinstitute mit ihrem KnowHow.

Der Weg zur Bank lohnt sich also nicht erst bei einer Finanzierungsanfrage, sondern bereits im Vorfeld einer Unternehmensgründung.

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Existenzgründerberatung

Dieser Artikel entstand in Kooperation mit dem Gründerzentrum gate Garching und erschien ebenfalls in deren hauseigenen Magazin gateWAY.